21.09.2001 - 29/2001

Haftbefehle gegen zwei mutmaßliche Tatverdächtige wegen der Terroranschläge in USA

In dem Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten hat der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes gegen den

29 Jahre alten, jemenitischen Staatsangehörigen Ramzi Mohamed Abdullah Binalshibh

und den

von Beginn an verfolgten 26 Jahre alten, deutschen Staatsangehörigen Said Bahaji

Haftbefehl wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, des mehrtausendfachen Mordes und anderer schwerer Straftaten erlassen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen besteht der dringende Verdacht, dass sich die vorgenannten Beschuldigten mit den zu Tode gekommenen Attentätern Mohammed Atta, Marwan Alshehhi, Ziad Jarrah und weiteren unbekannten Personen in der Bundesrepublik Deutschland zu einer terroristischen Vereinigung zusammengeschlossen und die vier Anschläge in den Vereinigten Staaten von Amerika gemeinschaftlich vorbereitet haben. Schon wegen der erforderlichen Logistik der Terroranschläge vom 11. September 2001 ist davon auszugehen, dass das Gesamtvorhaben über Jahre hinweg geplant wurde. Bahaji und Binalshibh waren spätestens seit 1999 in die Planungsvorbereitungen eingebunden.

Der Beschuldigte Ramzi Binalshibh unterhielt nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen intensive Kontake zu den bisher identifizierten Attentätern. Er war unter anderem ebenso wie Atta für die Marienstraße 54 in Hamburg gemeldet. Nach Zeugenangaben sollen Atta und Binalshibh Freunde gewesen sein. Erkenntnissen des FBI zufolge erwarben Atta und Alshehhi gemeinsam ihre Flugkenntnisse in einer Flugschule in Venice/Florida. Jarrah besuchte die Flugsschule Florida Flight Training Center (FFTC). Aus amerikanischen Unterlagen geht in diesem Zusammenhang hervor, dass Binalshibh im August/September 2000 versucht hatte, ein Visum für die Vereinigten Staaten zu erlangen. Sein Ziel war es, eine Ausbildung an der Flugschule FFTC aufzunehmen. Für diese Ausbildung hatte er bereits Mitte August 2000 eine Anzahlung in Höhe von 2.200 US Dollar geleistet. Das Vorhaben des Beschuldigten scheiterte, weil die USA ihm das Einreisevisum verweigerten. Binalshibh wurde letztmalig im August 2001 in Hamburg gesehen.


Der Beschuldigte Said Bahaji stand in enger Beziehung zu Mohammed Atta und dem gesuchten Ramzi Binalshibh. Er und Atta bewohnten die Wohnung Marienstraße 54 in Hamburg. Bahaji bezahlte an den Vermieter die Miete für die Wohnung. Atta und Binalshibh beteiligten sich anteilig an den Mietkosten. Atta vermerkte auf den Ãœberweisungsformularen als Verwendungszweck âždar el Anserâœ; dies bedeutet sinngemäß âžHaus der Anhänger/Fördererâœ.
Der Beschuldigte Bahaji zeigte ausweislich sichergestellter Unterlagen Interesse an radikalen islamischen Führern. Nach Zeugenaussagen vertritt er extreme islamische und âžantiwestliche✠Ansichten. Anfang September setzte sich Bahaji in das Ausland ab. Er flog am 3. September 2001 über Istanbul nach Pakistan, um dort angeblich ein studiumbezogenes Praktikum zu absolvieren. Seine Ehefrau verfügt indes weder über eine Anschrift noch über eine telefonische Erreichbarkeit. Wenige Tage vor seinem Abflug erteilte er dem Stiefvater seiner Ehefrau überdies eine Generalvollmacht für die Wahrnehmung aller seiner Angelegenheiten für den Fall, dass âžihm eventuell etwas zustoßen könneâœ. Bahaji ist seitdem flüchtig.

Der Generalbundesanwalt hat die Öffentlichkeitsfahndung nach den Beschuldigten veranlasst.
Die Beschuldigten werden wie folgt beschrieben:

Ramzi Binalshibh: Said Bahaji:

Größe: ca. 172 cm Größe: ca. 185 cm
Alter: 29 Jahre Alter: 26 Jahre
Haarfarbe: schwarz (leichte Glatzenbildung) Haarfarbe: schwarz
dünne Statur Augenfarbe: braun
Sprachen: arabisch, gebrochen deutsch allergischer Hautausschlag
an den Händen
Sprachen: deutsch, arabisch,
englisch, französisch

Fahndungsfotos der Beschuldigten können auf der Homepage des Bundeskriminalamts unter www.bka.de abgerufen werden. Hinweise werden erbeten an das Bundeskriminalamt, âžBAO USAâœ, Telefonnummer 02225/8 92 23 81 oder 02225/8 92 23 83 und jede andere Polizeidienststelle.