05.09.2007 - 21/2007

Festnahme dreier mutmaßlicher Mitglieder der "Islamischen Jihad Union" (IJU)

Im Auftrag der Bundesanwaltschaft haben Beamte des Bundeskriminalamts und der GSG 9 gestern Nachmittag (4. September 2007) drei mutmaßliche Mitglieder der terroristischen Vereinigung „Islamische Jihad Union“ (IJU) vorläufig festgenommen. Zugleich wurden - auf der Grundlage von Durchsuchungsbeschlüssen des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof - bis zum heutigen Morgen etwa 30 Objekte in mehreren Bundesländern durchsucht.

Die Beschuldigten,

der 28-jährige deutsche Staatsangehörige Fritz Martin G.,
der 28-jährige türkische Staatsangehörige Adem Y. sowie
der 21-jährige deutsche Staatsangehörige Daniel Martin S.

sind dringend verdächtig, als Mitglieder der terroristischen Vereinigung „Islamische Jihad Union“ im Ausland und zugleich einer deutschen Zelle dieser Gruppierung terroristische Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen in Deutschland vorbereitet zu haben (§ 129b Abs. 1 i.V.m. § 129a Abs. 1 Nr. 1 StGB sowie nach § 129a Abs. 1, bzw. Abs. 4, § 310 Abs. 1 Nr. 2, § 52 StGB). Alle drei haben im Jahr 2006 in Ausbildungslagern der IJU in Pakistan eine Schulung durchlaufen.

Bei der „Islamischen Jihad Union“ handelt es sich nach dem derzeitigen Erkenntnisstand um eine vorwiegend in Zentralasien aktive sunnitische Gruppierung, die sich von der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU) abgespalten hat. Die IJU verfolgte zunächst regionale Ziele in Usbekistan, wie etwa den Sturz des dortigen Präsidenten, hat ihren Wirkungskreis inzwischen jedoch im Sinne des Globalen Jihad ausgeweitet – unter anderem nach Europa. Diese Ausweitung der Aktivitäten dürfte nach dem bisherigen Erkenntnisstand unter dem Einfluss von Al-Qaida erfolgt sein.

Geprägt von der Ideologie der IJU und unter Verwendung der in terroristischen Ausbildungslagern erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse haben sich die Beschuldigten zumindest seit Ende 2006 in Deutschland zu einer nach außen abgeschotteten, konspirativ arbeitenden Organisationseinheit zusammengeschlossen, die dem internationalen Netzwerk gewaltbereiter islamischer Fundamentalisten zuzurechnen ist. Einer der drei Beschuldigten ist nach bisherigen Erkenntnissen Rädelsführer dieser deutschen Zelle. Die Planungen der Gruppierung waren darauf ausgerichtet, zur Durchführung des „Heiligen Krieges“ Sprengstoffanschläge durchzuführen. Als mögliche Anschlagsziele nahmen die Beschuldigten von Amerikanern besuchte Einrichtungen - wie Diskotheken, Pubs, Flughäfen - in Aussicht, vor denen mit Sprengsubstanzen beladene Fahrzeuge zur Detonation gebracht und eine Vielzahl von Personen getötet oder verletzt werden sollten.

Bereits zum Jahreswechsel 2006/2007 versuchte einer der gestern Festgenommenen gemeinsam mit zwei weiteren Personen, zwei amerikanische Kasernengebäude in Hanau auszuspähen - mit der mutmaßlichen Erwägung, dass sie als Anschlagsziele in Betracht kommen könnten.

Von Februar bis August 2007 beschaffte einer der Beschuldigten - entsprechend gemeinsamer Tatplanung - im Raum Hannover nach und nach 12 Fässer (insgesamt 730 kg) mit einer zum Teil hochprozentigen Wasserstoffperoxid-Lösung. Die Fässer mit dem Wasserstoffperoxid wurden dann in den Raum Freudenstadt (Schwarzwald) geschafft und in einer angemieteten Garage zwischengelagert. Unter Verwendung von Wasserstoffperoxid können verschiedene Explosivstoffe hergestellt werden, wobei mit der erworbenen Menge eine explosive Mischung mit der Sprengkraft von etwa 550 kg TNT zubereitet werden könnte. Den Ermittlungsbehörden ist es frühzeitig und von den Beschuldigten unbemerkt - gelungen, die in den Fässern befindliche hochprozentige Lösung Wasserstoffperoxid durch eine gefahrlose Austauschlösung zu ersetzen.

Am 17. August 2007 mietete einer der Beschuldigten unter Verwendung eines falschen Namens ein Ferienhaus im Sauerland an, in dem er sich mit den beiden weiteren Festgenommenen ab dem 2. September 2007 zur Herstellung von Sprengstoff aufhielt. In den letzten Tagen schafften sie eines der im Schwarzwald gelagerten Fässer in das Ferienhaus im Sauerland. Ferner haben sie sich weitere erforderliche Zutaten und Substanzen - wie etwa elektrische Bauteile und mehrere Zünder - verschafft. Gestern begannen sie mit der Herstellung des Sprengmaterials. Weit vor einer möglichen Fertigstellung des Explosivstoffes ließ die Bundesanwaltschaft sie festnehmen.


Die Beschuldigten wurden heute dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt, der auf Antrag der Bundesanwaltschaft Haftbefehl gegen die Beschuldigten erlassen und den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat.

Mit den weiteren Ermittlungen ist das Bundeskriminalamt beauftragt.

Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, können keine näheren Einzelheiten zum Sachverhalt und zur Verdachtslage gemacht werden.