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20.08.2006 - 36/2006

Anschlusserklärung an Nr. 35
Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes erlässt Haftbefehl gegen libanesischen Studenten aus Kiel

Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes hat heute (20. August 2006) auf Antrag der Bundesanwaltschaft gegen den gestern festgenommenen

21 Jahre alten, libanesischen Staatsangehörigen Youssef Mohamad E.H. aus Kiel

Haftbefehl wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (§ 129a StGB), des versuchten Mordes mit gemeingefährlichen Mitteln in einer Vielzahl von Fällen und des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion erlassen.

Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, zusammen mit weiteren bislang noch unbekannten Mit-gliedern einer terroristischen Vereinigung versucht zu haben, am 31. Juli 2006 zwei zeitlich aufeinander abgestimmte Sprengstoffanschläge auf den Regionalzug RE 10121 von Aachen nach Hamm und den Regionalzug RE 12519 von Mönchengladbach nach Koblenz zu verüben, um eine Vielzahl von Menschen zu töten. Am Tattag traf der Beschuldigte gegen 12.15 Uhr im Kölner Hauptbahnhof mit einer bislang unbekannten Person zusammen. Beide führten so genannte Koffertrolleys mit sich, die nahezu baugleiche unkonventionelle Bombenvorrichtungen enthielten; diese sollten in beiden Fällen mittels eines zeitgesteuerten Zündmechanismus gegen 14.30 Uhr zur Detonation gebracht werden. Der Beschuldigte bestieg den Regionalzug RE 12519, der den Hauptbahnhof um 13.03 Uhr verließ. Nachdem er den âžBombentrolley✠deponiert hatte, verließ er unbemerkt an einer Haltestelle den Zug. Die weitere unbekannte Person steht im dringenden Verdacht, den âžBombentrolley✠im Regionalzug RE 10121, der den Hauptbahnhof Köln um 12.51 Uhr verlassen hatte, deponiert zu haben.

Trotz Zündauslösung detonierten die Bombenvorrichtungen aufgrund eines âžhandwerklichen Fehlers✠nicht. Eine Detonation hätte in beiden Fällen zu einer erheblichen Druckwelle geführt; zusätzliche, in den âžBombentrolleys✠beiliegende Brandbeschleuniger hätten einen âžFeuerball✠auslösen können. Die Trolleys wurden am gleichen Tag sichergestellt.

Der Tatverdacht gegen den Beschuldigten ergibt sich aus der Auswertung von Videoaufzeichnungen verschiedener im Hauptbahnhof Köln angebrachter Ãœberwachungskameras, die das Zusammentreffen des Beschuldigten mit der weiteren unbekannten Person im Bahnhof dokumentieren. Darüber hinaus können in den âžBombentrolleys✠sichergestellte DNA-Spuren dem Beschuldigten zugeordnet werden.

Aufgrund der Videoaufzeichnungen hatten Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt am 18. August 2006 die Öffentlichkeitsfahndung nach zwei Beschuldigten veranlasst. Die daraufhin eingehenden Hinweise auf den Beschuldigten haben letztlich zu dessen Festnahme am 19. August 2006 am Hauptbahnhof in Kiel geführt. Es liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass sich der Beschuldigte absetzen wollte. Die Wohnung des Beschuldigten in einem Studentenwohnheim in Kiel und eine angrenzende Werkstatt wurden durchsucht. Explosionsgefährliche Bestandteile wurden nicht aufgefunden. Im Übrigen ist die Auswertung der Durchsuchungen noch nicht abgeschlossen.

Nach dem zweiten Beschuldigten wird weiterhin gefahndet. Zum Stand der Fahndungsmaßnahmen können aus ermittlungstaktischen Gründen keine Einzelheiten mitgeteilt werden.

Mit den Ermittlungen ist das Bundeskriminalamt beauftragt.



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