Druckversion | Leichte Sprache | Datenschutzhinweise | Inhaltsverzeichnis | Kontakt | Impressum  
Zurück

09.05.2003 - 17/2003

Generalbundesanwalt erhebt weitere Anklage wegen Beteiligung am "11. September"

Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof hat am 9. Mai 2003 vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts eine weitere Anklage wegen Beteiligung an den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten von Amerika erhoben. Die Anklage richtet sich gegen

den 30 Jahre alten marokkanischen Staatsangehörigen Abdelghani Mzoudi aus Hamburg

wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in 3066 Fällen. Dem Angeschuldigten wird zur Last gelegt, als Mitglied der "Hamburger Zelle" die vier Terroranschläge in den Vereinigten Staaten von Amerika am 11. September 2001 unterstützt zu haben.

In der inzwischen zugestellten Anklageschrift ist im Wesentlichen folgender Sachverhalt dargelegt:

Die Terroranschlüge in den Vereinigten Staaten von Amerika am 11. September 2001 wurden von einem internationalen Netzwerk gewaltbereiter Islamisten durchgeführt, wobei die Täter maßgeblich von der muslimisch-fundamentalistischen Organisation "Al Qaida" beeinflusst waren. Ziel ihres Zusammenwirkens war es, den "Heiligen Krieg (Jihad)" in andere Länder, insbesondere in die Vereinigten Staaten von Amerika zu tragen. Die militante Ablehnung der westlichen Gesellschaft und ihrer Werte und die Verteidigung der muslimischen Welt gegen Nichtmuslime auch in Form von terroristischen Aktionen war gemeinsame Grundlage ihres Han-delns.

Als Teil dieses Netzwerks wirkte eine selbstständige, nach außen abgeschottete, konspirativ arbeitende Zelle in Hamburg an der Planung, Vorbereitung und Durchführung der Anschläge mit. Zu dieser "Hamburger Zelle" gehörten die am 11. September 2001 bei den Anschlägen in den Vereinigten Staaten von Amerika ums Leben gekommenen Attentäter Mohamed Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah. Weitere Mitglieder waren neben dem Angeschuldigten und Mounir El Motassadeq die Beschuldigten Said Bahaji, Ramzi Binalshibh und Zakariya Essabar. Binalshibh wurde am 11. September 2002 in Pakistan festgenommen. Nach Bahaji und Essabar wird weiterhin mit Haftbefehl international gefahndet. Motassadeq wurde am 28. November 2001 in Hamburg festgenommen. Das Oberlandesgericht Hamburg hat ihn am 19. Februar 2003 unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in 3066 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren verurteilt.

Die islamistisch-fundamentalistische Einstellung der Vereinigungsmitglieder war durch eine zunehmend aggressive, radikal antiamerikanische und antijüdische Haltung bestimmt. Spätestens im Frühsommer 1999 entschlossen sie sich unter der Führung des Atta, durch Terroranschläge gegen Amerika aktiv am "Jihad" teilzunehmen. Sie entwickelten den Plan, durch Anschläge mit entführten Flugzeugen Tausende von Menschen zu töten.

Zur Vorbereitung der Tat begaben sich ab Ende November 1999 zunächst Atta, Alshehhi, Jarrah und Binalshibh in Ausbildungslager der "Al Qaida" nach Afghanistan. Eine zweite Gruppe folgte im Frühjahr 2000. Der Angeschuldigte hielt sich von Ende April 2000 bis Ende Juli 2000 dort auf, wo er absprachegemäß mit Motassadeq und Essabar zusammentraf. Die Aufenthalte dienten vor allem dazu, mit Usama Bin Laden und dessen Gefolgsleuten die Anschlagsziele und die Einzelheiten der An-schlagsvorbereitungen abzustimmen.

Unmittelbar nach Rückkehr der ersten Gruppe reisten die als Piloten der Anschlagsflugzeuge vorgesehenen Vereinigungsmitglieder Atta, Alshehhi und Jarrah in die USA und absolvierten bis Dezember 2000/Januar 2001 ihre Flugausbildungen in Florida. Der Plan, zunächst Binalshibh und sodann Essabar als vierten Piloten ausbilden zu lassen, scheiterte, weil deren Anträge auf Erteilung eines Visums für die Vereinigten Staaten abgelehnt wurden.

Nachdem die Flugausbildungen abgeschlossen waren, wurden die Einzelheiten der Anschläge zwischen den in Hamburg verbliebenen Vereinigungsmitgliedern und den in die USA gereisten Attentätern koordiniert. Der Angeschuldigte war ebenso wie die übrigen in Hamburg verbliebenen Vereinigungsmitglieder bis zuletzt in die Attentatsvorbereitungen eingebunden. Er kannte die auf Begehung der Terroranschläge ausgerichteten Ziele der Vereinigung und unterstützte die Planung und Vorbereitung der Anschläge:

Zusammen mit Bahaji und Motassadeq verdeckte er während des Aufenthalts der übrigen Gruppenmitglieder in Afghanistan planmäßig deren Abwesenheit in Hamburg. Ferner regelte er die finanziellen Angelegen-heiten des sich von Anfang 2000 bis Mitte August 2000 in Afghanistan aufhaltenden Essabar. Während seines eigenen Aufenthaltes in Afghanistan stellte er die Begleichung der laufenden Verbindlichkeiten des Essabar in Hamburg durch Dritte sicher. Anschließend wirkte er an dem von der Vereinigung beschlossenen Vorhaben mit, Essabar als Ersatz für Binalshibh in die USA reisen zu lassen, indem er ihm Mitte Dezember 2000 zur Finanzierung des geplanten USA - Aufenthalts seine EC-Karte mit der dazugehörigen PIN-Nummer überließ. Absprachegemäß ließ sich Essabar von dem Konto des Angeschuldigten Ende Dezember 2000/Anfang Januar 2001 einen Gesamtbetrag von 1580 DM gutschreiben. Eine maßgebliche Rolle kam dem Angeschuldigten bei der Verschleierung der Lebensverhältnisse von Binalshibh und Alshehhi nach deren Rückkehr aus Afghanistan nach Hamburg zu. Er ver-schaffte ihnen ein Zimmer in einem Studentenwohnheim in Hamburg, in dem sie sich bis zu ihrer geplanten Abreise in die USA in den Monaten April und Mai 2000 un-bemerkt aufhalten und ihre Anschlagsvorbereitungen fortsetzen konnten. Mit dem Ziel, bei Nachfragen die Abwesenheit von Atta und Alshehhi zu decken, erlaubte er diesen Anfang 2000, seine Wohnadresse Marienstraße 54 in Hamburg Dritten gegenüber zu verwenden.

Der Angeschuldigte wurde am 10. Oktober 2002 in Hamburg auf Grund des Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofes vom 9. Oktober 2002 festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Zurück